On entend aujourd'hui par fanatisme une folie religieuse, sombre et cruelle. C'est une maladie de l'esprit qui se gagne comme la petite vérole. Les livres la communiquent beaucoup moins que les assemblées et les discours. On s'échauffe rarement en lisant : car alors on peut avoir le sens rassis. Mais quand un homme ardent et d'une imagination forte parle à des imaginations faibles, ses yeux sont en feu, et ce feu se communique ; ses tons, ses gestes, ébranlent tous les nerfs des auditeurs. Il crie : « Dieu vous regarde, sacrifiez ce qui n'est qu'humain ; combattez les combats du Seigneur » et on va combattre. Le fanatisme est à la superstition ce que le transport est à la fièvre, ce que la rage est à la colère. [...]
Voltaire extrait du Dictionnaire philosophique, 1764
California Dreamin' ist eine der Überraschungen des Comic-Rentrée-littéraire 2015. Diesmal hat die erfolgreiche Comiczeichnerin Pénélope Bagieu („Joséphine“, „La page blanche“ u.a.) ihren bewährten, gefälligen Ligne-Clair-Stil zugunsten eines spontaneren und lebendigeren Zeichenstils aufgegeben und sich einem authentischen, biographischen Stoff zugewendet: der Geschichte der Band The Mamas & The Papas. Im Zentrum steht dabei die heute in Vergessenheit geratene Ikone Cass Elliot, deren starke Persönlichkeit und außergewöhnliche äußere Erscheinung eine hervorragende Vorlage für eine unterhaltsame Graphic Novel liefern. Bagieu beweist wahres Talent im Story Telling und fängt in ihren Bildern wunderbar den Stil der 60er Jahre ein. Noch schöner hätte der Comic nur geraten können, wenn er wie das Cover farbig wäre. Doch bei 272 Seiten möge man das der Zeichnerin nachsehen.
Claudia Sandberg
Mit „Les variations d'Orsay“ setzt Manuele Fior die 2014 vom Verlag Futuropolis und dem Musée d'Orsay begonnene Koedition fort (siehe auch Catherine Meurisses „Moderne Olympia“).
Fior durchwandert die Säle des Musée d'Orsay, lässt dessen Gemälde lebendig werden und uns in die Phantasie der Aufseherin abtauchen. Er vermischt um die Jahrhundertwende im Künstlermilieu real stattgefundene Szenen mit Traumszenen und die Vergangenheit mit der Gegenwart. Dabei begegnen wir insbesondere dem jungen Edgar Degas. In harmonischen Farben und dem nur Manuele Fior eigenen Strich entwirft er eine Hymne an eines der schönsten Museen der Welt. Die Geschichte ist zugegeben unabgeschlossen und bisweilen verworren, aber das tut der Schönheit der dabei entstandenen Seiten keinen Abbruch.
Claudia Sandberg
Olympia ist keine Unbekannte im Musée d'Orsay. Schließlich hat sie schon für Manet posiert und zwar nackt! Dennoch will sie sich nicht zufrieden geben, denn sie träumt von einer großen Hauptrolle und wer wäre besser geeignet für die Rolle der Julia als sie? Doch man bietet ihr nur Rollen als Statistin in langweiligen akademischen Gemälden an. Derweil träumt Olympia von der romantischen Liebe, die ihr in Gestalt von Romain begegnet, doch der ist ein Offizieller und sie gehört dem Lager der „Refusés“ an. Niemals würde Manet einer Verbindung zustimmen.
Mit viel Humor erweckt Catherine Meurisse die Gemälde des Musée d'Orsay zum Leben und liefert eine Satire auf die französische Malerei um 1900, bei der insbesondere Kenner der zahlreichen zitierten Gemälde auf ihre Kosten kommen. Eine weitaus gelungenere Begegnung zwischen Comic und Museum, als die zuletzt in der Reihe Louvre éditions erschienenen Titel.
Claudia Sandberg
Der junge Paul desertiert nach einem traumatischen Erlebnis an der Front und versteckt sich tagelang bei seiner Ehefrau Louise. Doch er findet einen Ausweg aus der Illegalität: er verkleidet sich fortan als Frau. So erhält er eine Anstellung als Näherin, entdeckt aber bald auch andere Vorzüge seiner neuen Identität und wird schließlich zu einer bekannten Persönlichkeit im freizügigen Milieu des Bois de Boulogne. Louise, die Pauls Travestie zunächst unterstützt, muss mit ansehen wie sich ihr Ehemann über die Jahre immer mehr von ihr entfernt, ihre Liebe wird zu Hass und es kommt zum Eklat.
Mauvais genre erzählt von einer Generation, die verzweifelt versucht, die Schrecken des Ersten Weltkriegs zu vergessen, ungewöhnliche Lebensweisen wählt und damit an die Grenzen der gesellschaftlichen Akzeptanz stößt. Chloé Cruchaudet erzählt diese wahre Begebenheit in reduzierten Schwarz-Weiß-Bildern mit roten Akzenten und es gelingt ihr ihrer Erzählung Intimität und Melancholie zu verleihen.
Claudia Sandberg
Italien im Jahr 2048: Raniero wird während einer Autofahrt von seltsamen Lichtphänomenen abgelenkt und baut einen Unfall. Verwirrt von den rational unerklärlichen Erscheinungen, bewahrt der Psychologe zunächst Stillschweigen über das Erlebte, doch dann wird ihm eine neue Patientin zugewiesen, die behauptet ähnliche Lichterscheinungen gesehen zu haben und sogar in telepathischem Kontakt mit den Außerirdischen zu stehen. Zwischen dem Psychologen in der Midlife-Crisis und der jungen attraktiven Dora entspannt sich ein erotisches Vertrauensverhältnis und schließlich werden die Zeichen auch für andere sichtbar.
Manuele Fior beweist mit „Entrevue" einmal mehr, dass er sich nicht auf bereits bewährte Techniken und Genres beschränkt, sondern immer wieder neue Herausforderungen wagt. Nach „5000 kilomètres par seconde", das 2011 mit dem Fauve d'Or ausgezeichnet wurde, legt er mit „Entrevue" eine intelligente Sciencefiction-Erzählung in stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Bildern vor. „Entrevue" ist dabei keine durch und durch düstere Dystopie, sondern gehört zu jenen Sciencefiction-Erzählungen, die erlauben unsere Gegenwart zu reflektieren. Ein erzählerisches und zeichnerisches Meisterwerk, für das der Autor die nächste Auszeichnung verdient hat.
Claudia Sandberg
Spätestens seit „Mes hommes de lettres“ weiß das französische Publikum um des großen Literaturinteresses der Comiczeichnerin Catherine Meurisse, die auch regelmäßig für Charlie Hebdo zeichnet. In „Le pont des arts“ geht sie nun den Verbindungen zwischen Malerei und Literatur auf den Grund. Ihr Spaziergang durch die französische Kunstgeschichte vom ausgehenden 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts erzählt humorvoll von den großen Persönlichkeiten, Gemälden und Paradigmen, die zwei Jahrhunderte französischer Kunstgeschichte geprägt haben.
Da lästert Delacroix im Hause George Sand über die Manierismen seines Kollegen Ingres, Théophile Gautier spricht von seinem „L’art pour l’art“ und stellt beim Anblick der Malerei der Realisten schockiert fest, dass in der Malerei schon längst ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat, wohingegen Kollege Baudelaire in einem Rundgang durch den Louvre klarmacht, wo für ihn die Moderne hinführt. Nebenbei wird die Handlung der großen Künstlerromane Zolas und Balzacs zusammengefaßt.
Bei aller Übertreibung gibt Catherine Meurisse ein erstaunlich treffendes Resümee der französischen Kunstgeschichte. Dem Kenner muss dieser Comic ein großer intellektueller Spaß sein, dem Kunst-Laien wird vielleicht nicht jede Anspielung verständlich werden, doch ein Glossar erlaubt sich zu den einzelnen genannten Persönlichkeiten zu informieren.
Claudia Sandberg
Gemeinsam mit der Szenaristin Julie Birmant, hat der Zeichner von „Aya de Yopougon“, Clément Oubrerie, eine neue fabelhafte Serie begonnen. „Pablo“ versetzt uns in das Paris des beginnenden 20. Jahrhunderts und erzählt von den Anfängen und dem Aufstieg Picassos. Der berühmte Maler begegnet im Comic den wichtigsten Figuren der französischen Kunstszene um 1900 und zeigt sie uns von unbekannter Seite: Degas wird als griesgrämiger alter Antisemit gezeigt, Berthe Weill als pragmatische Geschäftsfrau, der Poet Max Jacob als erster wahrer Entdecker Picassos und wir lernen den stets traurig-verliebten Carlos Casagemas kennen, dessen Selbstmord Picasso zu seiner blauen Periode inspirierte.
Der Clou des Ganzen ist jedoch, dass die Geschichte des Malers mit der Biographie einer ungewöhnlichen weiblichen Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts verwoben wird, derjenigen der wohl berühmtesten Muse des Malers: Fernande Olivier. Nicht zuletzt überzeugen auch die Illustrationen, die in harmonischen gebrochenen Farben die Stimmung auf dem Montmartre einfangen, die noch heute den Mythos der Stadt ausmacht. Und das Schönste zum Schluss: drei weitere Teile sind in Planung.
Claudia Sandberg
Am Tage sitzt Jeanine am liebsten in ihrem gemütlichen Wohnzimmer und schaut Quizshows und Pferderennen im Fernsehen. Auf den ersten Blick ist sie eine ganz normale 60ig-jährige, wäre da nicht ihr ungewöhnlicher Beruf. Denn Nachts arbeitet sie unter dem Pseudonym „Isa la Suédoise“ als Prostituierte in Straßburg. Offenherzig und unverklemmt, erzählt Jeanine ihrem jungen Nachbarn von ihrer Lebensgeschichte. Dabei kommen immer mehr sagenhafte Anekdoten zum Vorschein. Kann sie wirklich das Massaker vom 26. März 1962 in Algier überlebt haben? Wie kam sie dazu, auf dem Welt-Huren-Kongress in Amsterdam zu sprechen?
In seiner ersten Comicveröffentlichung rekonstruiert Matthias Picard puzzel-artig das Leben einer Frau, die während seiner Studienjahre seine Nachbarin war. Dabei beschreibt er gleichzeitig das persönliche Verhältnis, das während der gemeinsamen Treffen entstand. Seine originelle zeichnerische und erzählerische Umsetzung ist sowohl spannend als auch einfühlsam.
Claudia Sandberg
Seine merkwürdige hellseherische Gabe bringt Ralph nichts als Sorgen ein. Nachdem seine Ernennung zum Auserwählten fehlgeschlagen ist, verachten ihn die Bewohner seines Dorfes, die Schwester seines Erzfeindes ist zu seinem Widerwillen dennoch unsterblich in ihn verliebt und dann sperrt man ihn auch noch zu den Schweinen, weil er den Ältestenrat verärgert hat. Als das Dorf von einer Horde von blutrünstigen Kriegern überfallen wird, bietet sich Ralph eine Möglichkeit sich zu beweisen…
Ralph Azham hat alle Ingredienzien um zu einem erfolgreichen DONJON-Nachfolger zu werden: Eine farbenfrohe Fantasiewelt, die von Trondheims Ehefrau Brigitte Findakly koloriert wurde, einen sympathischen Antihelden und witzige Dialoge.
Claudia Sandberg
Bastien Vivès’ neustes Buch mit dem schlichten Titel „Polina“ erzählt die Entwicklung einer kleinen Primaballerina hin zu einer erfolgreichen Künstlerin des modernen zeitgenössischen Tanzes. Zeichnerisch studiert Vivès hierin Bewegung, Harmonie und Ausdruck im Ballett. Er konzentriert sich dabei ganz sachlich allein auf das Element der Linie und schafft damit in ihrer Einfachheit schöne Schwarz-Weiß-Zeichnungen, ganz frei von klebrigem rosa Kitsch. Aber Vivès ist nicht zuletzt auch ein Meister des Erzählens und so begegnet der Leser Polina an den entscheidenden Etappen, die den Lauf ihres Lebens bestimmen werden: die erste Aufnahmeprüfung, der harte Einzelunterricht, die Freundschaften im Internat und... ...natürlich die Liebe. So ist Bastien Vivès ein zugleich zärtliches, aber auch düsteres Porträt des Balletts gelungen. Denn das Leben einer Tänzerin ist nicht immer einfach und schön.
Claudia Sandberg
In „Le goût du chlore“ widmet Bastien Vivès sein künstlerisches Talent einem eigentlich banalen Ort: dem Schwimmbad. Dorthin folgen wir einem jungen Mann, dem wegen seiner fortgeschrittenen Skoliose regelmäßiges Schwimmen verordnet wurde. Von Natur aus eher unsportlich, kostet es ihn anfangs einige Überwindung sich einmal wöchentlich im Schwimmbecken zu ertüchtigen. Doch das ändert sich schnell, als er dort eine hübsche und überaus sportliche junge Frau kennen lernt. Was wie eine klassische Liebesgeschichte beginnt, führt uns dennoch nicht raus aus dem Schwimmbecken, rein in eine Beziehung, sondern nur immer tiefer ins Wasser. Denn Bastien Vivès’ Ziel ist es, mit akkurat gesetztem Strich immer wieder andere Ansichten des menschlichen Körpers beim Schwimmen darzustellen.
Die kühle Atmosphäre des Schwimmbads in blau-grünlichen Farbtönen und die evozierte Stille unter Wasser werden vom Künstler zu einer surreal anmutenden Welt ästhetisiert, in die man von Seite zu Seite mehr eintaucht, bis man glaubt das Chlorwasser riechen, ja schmecken zu können.
Claudia Sandberg
Die Trilogie um Rosalie Blum ist ein Comic für Erwachsene. In sprühenden Farben und mit Liebe zum Detail hat die junge Illustratorin Camille Jourdy eine mitreißende Geschichte um skurril-komische Charaktere ersonnen: Da ist zunächst Vincent, der einsame Friseurladeninhaber, der sich nicht von seiner tyrannischen Mutter emanzipieren kann und von der Freundin verlassen wurde. Aber auch Aude ist unzufrieden mit ihrem Leben. Nachdem sie das Studium abgebrochen hat, lebt sie orientierungslos in den Tag hinein und teilt ihre Wohnung mit einem gescheiterten Zirkusakrobaten samt dessen ungewöhnlichen Haustieren. Im Mittelpunkt steht jedoch die mysteriöse Rosalie Blum. Als Vincent die Verkäuferin eines Tages in einem Lebensmittelgeschäft sieht, hat er ein Déjà-vu. Wann in seinem Leben hat er diese Frau nur schon einmal gesehen? Auf der Spur des Rätsels Lösung beginnt Vincent Rosalie Blum auf Schritt und Tritt zu folgen. Doch er ist nicht der einzige, der hier jemanden ausspioniert. Mit großem zeichnerischen Talent und erstaunlicher Sensibilität hat Camille Jourdy trotz der depressiven Veranlagung ihrer Charaktere ein wahres „Gute-Laune-Buch“ geschaffen. Zurecht hat die Autorin für „Rosalie Blum“ 2009 den Grand Prix RTL erhalten. Un vrai bijou!
Claudia Sandberg
In ihrem zweiten, sehr persönlichen Roman entwirft Chloé Delaume eine kühne und eindringliche Sprache. Die Autorin findet in einem wortgewaltigen Diskurs Formulierungen für das stille und ausdruckslose Leiden einer Kindheit. Sie zeichnet in der wiedergefundenen Sprache die traumatische Auflösung ihrer Familie nach.
Ein Buch über den Wiederaufbau seines eigenen Ichs durch die wiedergewonnene Lust an der Fülle der Wörter.
Am 9. Oktober 2014 hat der Schriftsteller Patrick Modiano den Nobelpreis für Literatur des Jahres 2014 für sein Gesamtwerk verliehen bekommen. Die Begründung der Jury lautete: „Für die Kunst des Erinnerns, mit der er die unbegreiflichsten menschlichen Schicksale wachgerufen und die Lebenswelt während der (deutschen) Besatzung sichtbar gemacht hat.“ Die Buchhandlung Zadig freut sich über diese Nachricht, denn der Autor hat mit seinem Schreibstil und seiner Aura dazu beigetragen eine Form des nationalen Romans zu popularisieren, die der Zukunft zugewandt ist, fernab immer wieder zu lesender Klischees von französischer Lebensart und des bekannten Einheitsbreis. Wir verneigen uns vor einem Schriftsteller, der mit „La Place de l’étoile“ oder „Im Café der verlorenen Jugend“ die Kunst des polysemen Titels geprägt hat wie kein anderer!
Mit Certainement pas, ihrem fünften Werk, schließt sich Chloé Delaume dem Verlag Editions Verticales an und stellt sich zum ersten Mal dem Schreiben fiktiver Literatur.
Im Raucherzimmer des Krankenhauses Sainte-Anne werden drei Männer und drei Frauen mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, die schwer geprägt ist von alltäglichen Niederträchtigkeiten und verwerflichen Verwicklungen.
Alle sechs sind Mörder, ihre Verbrechen sind symbolisch, da sie für einen Umsturz, den Übergang zum Feind, die Abhängigkeit vom System sowie das unbegrenzte Gefallen an Marktwerten stehen. Ihre Krankheitsbilder sind nur Fluchtort, letzte Möglichkeiten des Entkommens nach einer zu späten Einsicht. Trotzdem, Opfer sind diese sechs repräsentativen Figuren unserer heutigen Gesellschaft nicht, Certainement pas, um mit den Worten von Chloé Delaume zu sprechen...
Die Fernsehregisseurin und Bildhauerin Valérie Mréjen fügt ihre Romane zu Collagen aus momentanen Eindrücken und Gefühlen. Sie verfolgt die kleinen Schwächen des Alltags und die vorgefertigten, abgedroschenen Sätze, die wir oft gegen unseren Willen verwenden. Stück um Stück zusammengesetzt, bilden diese eine witzige und rätselhafte Synthese der Tage, an denen wir nicht vollständig wir selber sind.
Eine Reihe drei kleiner Romane zum Nacheinander- oder Durcheinanderlesen.
Ein zündender Roman, der sich durch einen lebendigen, flüssigen und bissigen Stil auszeichnet. Y.B. schreibt aus der Sicht eines jungen Beur in Paris und klagt die Kehrseiten der französischen Gesellschaft und der arabischen Gemeinschaft mit entwaffnendem Scharfsinn an. Dabei lässt er nichts und niemanden unbeschadet: Islam, Integration, Rassismus, Terrorismus, Regierung und Showbiz, alles hat seinen Anteil. Sein beißender Humor, seine nur scheinbaren naiven Gedankengänge und seine sehr spezielle Herangehensweise an die deutsch-französischen Beziehungen machen aus diesem ungewöhnlichen Monolog eines der gelungensten zeitgenössischen Pamphlete.
Ein erschütternder Text über Kindheit und Schicksal
1968 in Moskau geboren, erlitt Ruben Gonzales Gallego bereits in jungen Jahren eine Gehirnlähmung und wurde seiner Mutter entzogen. Er verbrachte seine Kindheit in einem speziellen Waisenhaus, das der kommunistischen Elite vorbehalten war. Später wurde er in ein Heim für Behinderte gebracht, wohin Menschen abgeschoben wurden, die als unfähig galten, einen nützlichen Beruf auszuüben.
Während der durch die Perestroika hervorgerufenen Wirren, welche die gesamte Sowjetunion heimsuchten, gelang es ihm, nach Spanien zu fliehen, wo er seine Mutter wiedertraf.
Dieser autobiographischen Erzählung von außergewöhnlicher Poesie, gelingt es Kindheitserinnerungen und einen scharfsinnigen Blick auf menschliche Schicksale zu verbinden: „trop souvent les gens prennent la bonté pour de la faiblesse. Difficile d’être un être humain, difficile mais tout à fait possible.“ Die Sammlung kurzer Texte bildet aus den Lebenserinnerungen des Autors und den weltgeschichtlichen Ereignissen der letzten dreißig Jahre eine große Erzählung, in der Hoffnung und Lebensfreude stets siegen.
Eine kompromißlose Schilderung des heutigen Afrikas und seiner Beziehung zu Frankreich, dargestellt an der schwierigen Frage der Immigration. Um die Beziehung zwischen einem Bruder und seiner Schwester entsteht ein Bild voll beunruhigender Genauigkeit: Hier, die Hoffnungen einer Jugend, die in Frankreich das märchenhafte Versprechen von Glück und Erfolg sieht; dort, die Enttäuschungen derer, die sich dahin aufgemacht haben und ihre Bestimmung als ewige Ausländer erleiden; letztlich, die Verbitterung derer, die in ihrem Land bleiben. Le ventre de l'Atlantique ist in einer bildhaften, sensiblen Sprache eine kluge und kritische, zuweilen humorvolle Sicht auf ein Afrika, das zwischen Tradition und Modernität schwankt.
Ist Berlin eine Kulturmetropole? Um dieser Frage nachzugehen, unternimmt Boris Grésillon eine geohistorische Analyse der Sonderstellung der Berliner Kultur. Grésillon, von Hause aus Geograph, ist ein genauer Kenner des wiedervereinten Berlins; ihm gelingt die Darstellung der Situation verschiedener sozialer Gruppen zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Ostler und Westler, Junge und Alte, Reiche und weniger Reiche, Schwule, Ausländer, Technofreaks... . Damit legt der Autor eine der wenigen Gesamtansichten auf die Stadt vor, die zugleich Wiedererkennungswert besitzen und den Berlin-Horizont erweitern.
Das Buch besticht durch konzeptuelle Klarheit, Willen zur Synthese und sprachlichen Stil. Die unvergleichlich hohe Dichte kultureller Einrichtungen und die außerordentliche Beweglichkeit, sowohl ideologisch als auch geographisch, der Berliner Kulturformen hat die Eigenart des Berliner Sonderwegs geprägt.
Ausgehend vom europäischen Dreigestirn Berlin – London – Paris, das Grésillon auf die Begriffe Aufbruch – Avantgarde und Veränderung – künstlerische Anerkennung bringt, öffnet das Buch den Blick auf eine zukünftige Berliner Szenerie, die die Konkurrenz mit dem großen Entwicklungspotential der osteuropäischen Großstädte nicht zu scheuen braucht. Der Herausforderung durch die Nachbarn im Osten allerdings müssen sich die Kulturverantwortlichen im internationalen Maßstab sicherlich stellen.
Es ist Herbst und eigentlich möchte Papa Bär nur träumen. Doch wo ist plötzlich Kleiner Bär? Eine Suche durch das Gewimmel der Stadt beginnt und alles scheint sich gegen unseren liebenswürdigen Bären verschworen zu haben. Wir müssen alle mithelfen den kleinen Bären wieder zu finden! „Une chanson d'ours“ ist eine Geschichte und dazu auch noch ein wunderschön illustriertes Wimmel-Suchbuch für alle kleinen und großen Kinder!
Das Berlin nach dem Mauerfall ist der Ort, an dem sich die Lebenswege zweier Jugendlicher kreuzen. Beide durchleben die Abwesenheit eines geliebten Menschen in der Kälte der winterlichen Stadt: Jakob, 15 Jahre alt, wartet in Kreuzberg auf seine alleinstehende Mutter. Anna, 20 Jahre, kehrt von ihrem Parisaufenthalt nach Berlin zurück und durchquert vergeblich die Stadt auf der Suche nach Bastian.
Am Ende verbinden sich für eine kurze Zeit nicht nur zwei Erzählstränge, sondern auch zwei Erzählstimmen, die zu Trägern unerwarteter Hoffnung in schwierigen Lebenslagen werden. Da der Autor selbst einige Zeit in Berlin gelebt hat, wirken die Beschreibungen der Stadt wie eingeblendete, vertraute Kulissen. Dieser großartige Roman erzählt in schnörkellosem, einfachen Stil ein komplexes, nahegehendes Sujet, das sicherlich auch jeden Erwachsenen tief berührt.
(von 12–13 Jahren)
Katja Wilde
In der gleichen Reihe des Verlags sind erschienen :
Auf den Gleisen des Train jaune erwartet den Leser eine überraschende Reise zwischen zwei Städten: Old-Ciudad und New-Caldera. Er begegnet den Schneemenschen und Indianern der Hochebenen, durchschreitet verschneite Pisten der Geisterberge und schwingt sich auf den langen Ästen der Riesenbäume des Jungles wie auf Autobahnen dahin.
Die Geschichte, die der Großvater dem kleinen Théo erzählt, ist voller Abenteuer und Weisheit. Die außergewöhnlichen Zeichnungen öffnen uns die Tore zu einem fantastischen und seltsamen Traum.
(ab 6 Jahren)
Drei Freunde, besessen von ihrer Spielkonsole, begegnen eines Tages einem alten Mann, der ihnen eine seltsame Diskette übergibt, die sie in ein beängstigendes Kriegsspiel mitreißen wird. Jeder der drei erlebt auf seine Weise den schwer bestimmbaren Übergang und das Hinübergleiten von der Realität zur Fiktion. Nach und nach werden sie Akteure dieses gefährlichen Spiels, kämpfen leidenschaftlich und tauchen ohne Zurückhaltung ein. Dabei müssen sie sich den höllischen Regeln eines Spieles stellen, das sie einem beängstigenden Ausgang entgegentreibt.
Der Roman behandelt einfallsreich ein schwieriges Thema und ist eine intelligente und überraschend scharfsinnige Reflexion über Krieg, Gewalt und freien Willen, die den Leser zum Nachdenken bringt.
(ab 12 Jahren)
Ein Rätselbuch mit umklappbaren Seiten zum Amüsieren unserer ganz Kleinen. Das Prinzip ist sehr einfach: ein Wort soll mit Hilfe eines illustrierten Details und eines lustigen Rätsels erraten werden. Beim Aufdecken der umklappbaren Seite erfährt man dann des Rätsels Lösung. Ein Bilderbuch voller Überraschungen, das Spiel und Lernen geschickt vereint.
(von 3–5 Jahren)
In der gleichen Reihe sind erschienen:
Ein freches Bilderbuch für alle, die das Reich der Bücher erobern wollen. Jede Doppelseite widmet sich einem Buchstaben. Die großen illustrierten Vignetten erzählen viele kleine Bildergeschichten zu den einzelnen Buchstaben und kurze witzige Texte spielen poetisch und lautmalerisch mit dem Alphabet. Die Bildergeschichten haben genauso viele lustige Geschichten zu erzählen wie die Worte. Auf diese Weise entdecken die kleinen Leser die doppelte Lust an Bild und Text. Ein fantasievolles Alphabet für einen oder zwei Leser.
(ab 5–6 Jahren)
21 bekannte französische Abzählreime, von Kindern gesprochen und gesungen, ein Vergnügen für große und kleine Ohren. Zur CD gibt es ein kartoniertes Bilderbuch, das Liedtexte, Noten und viele witzige Illustrationen enthält. Begleittexte und Zeichnungen, die die Gestenabfolge der Abzählreime erläutern, befinden sich am Ende des Buches.
Auf unterhaltsame Weise sind hier die beliebtesten Abzählreime illustriert und dokumentiert, u.a.: "Pomme de rainette et pomme d'api", "une souris verte", "un grand cerf" oder "une poule sur un mur".
(von 1–4 Jahren)
In der gleichen Reihe sind erschienen : Rimes et comptines des petits Loupiots
Können Wolf und Hase Freunde werden? Dieses Bilderbuch erzählt uns von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Tom, dem kleinen Hasen und Loulou, dem Wolf. Es geht darin um Unterschiede und auch Rückschläge, die mit viel Humor in die Erzählung einfließen. Die Illustrationen verbreiten durch ihre lebendigen Farben viel gute Laune. Kurzum, ein Buch, dass die ganze Familie erheitert.
(ab 4–5 Jahren)